StartEinleitungHintergrundKrankheitTherapieKontaktImpressum









Deutschland unter Druck - Die überforderten Kinder
Chinesisch für Babys, Managerkurse für Kleinkinder, Yoga in der Krippe - zwischen Geigenstunde, Frühenglisch und Schulaufgaben: Aus Sorge um die Zukunftschancen ihrer Kinder setzen immer mehr Eltern den Nachwuchs einem ungeheuren Leistungsdruck aus. Die Perfektionierung tobt schon in der Kindheit heftig - es ist der Traum vom sozialen Aufstieg. Jedes vierte Kind bis acht Jahre wird mittlerweile zur Fördertherapie geschickt. Nach dem vollen Schultag gehen sie zum Hockey, zum Tennis, zum Segeln, zur Musikschule. Manchmal haben Kinder an einem Nachmittag zwei bis drei Programmpunkte zu absolvieren. Der gesamte Komplex zwischen Geburt und Abitur ist zu einer Mischung aus Wettrüsten und Leistungsschau geworden. Dem Druck halten nicht alle Kinder stand.

Deutschland unter Druck - Die getriebenen Erwachsenen
Jeder ist ersetzbar. Ganze Produktionsketten können heute im Handumdrehen an fast jeden Ort der Welt verlegt werden. Alles ist austauschbar. Die Deutschen haben Angst, sie könnten ihre Arbeit und ihren Wohlstand verlieren - und kämpfen verzweifelt dagegen an. Der Leistungsdruck hört nicht hinter der Bürotür auf. Leidenschaft ist auch in der Freizeit zur obersten Maxime geworden. Jede freie Minute wird genutzt - immer auf der Suche nach einem einzigartigen Erlebnis. Die Getriebenen laufen wie Duracell-Häschen dem Traum hinterher, sich selbst zu verwirklichen. Aber anhalten können sie nicht. Alles schaffen, überall erfolgreich sein, am Schreibtisch, im Bett und in der Freizeit - das erwarten die Getriebenen von sich selbst.

Deutschland unter Druck - Die verunsicherten Alten
Lebst du noch, oder stirbst du schon? Immer mehr Alte haben Angst davor, alt zu werden.  Eine große Furcht geht um: Wer körperlich und geistig nicht mehr mithalten kann, fällt anderen zur Last, muss gepflegt werden und verursacht Kosten. Alter macht abhängig und hilflos - und viele Alte trauen sich nicht mehr, so zu werden. Gleichzeitig basteln sich die Jungen eine Welt für sich, modern und digital, in der die Alten oft wie Außerirdische umher tappen: vorsichtig und immer in der Angst, etwas falsch zu machen. "Viermal die 7 drücken für ein 's' " - das ist nicht logisch für viele Alte und doch nur eine simple SMS für die Jungen. 

Burnout - eine neue Volkskrankheit?
Krankheitstage ausgebrannter Mitarbeiter nehmen zu. Nach Berechnungen der DAK gab es von 2009 auf 2010 einen Anstieg der Krankheitstage wegen psychischer Leiden um über 13 Prozent. Seit 1998 hat sich die Zahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland verdoppelt. Auch junge Menschen sind betroffen. Jeder zehnte Erwerbstätige unter 30 Jahren leidet an somatoformen Störungen. Das gibt Anlass zum Nachdenken. Ähnliche Befunde sind weltweit zu beobachten. Hinzu kommen oft noch Depressionen.



Bis zum Rasen Stillstand
Wenn wir telefonieren, dann surfen wir gleichzeitig im Internet. In der U-Bahn checken wir Mails auf dem Smartphone. Oder wir versuchen an einem einzigen Tag Vollzeit im Büro zu arbeiten, die Kinder vom Kindergarten abzuholen, Turnschuhe einzukaufen, die Wäsche zu waschen und abends mit Freunden zu essen. Wir erhöhen, so nennt das der Soziologe Hartmut Rosa, die "Handlungsepisoden pro Zeiteinheit" in unserem Leben. Darum geht es in Hartmut Rosas Vortrag "Bis zum rasenden Stillstand. Beschleunigung und Entfremdung als Schlüsselbegriffe einer neuen Sozialkritik“. In der Vorlesung erklärt er auch, warum es Gesellschaften wie der unseren eingeschrieben ist, sich ständig beschleunigen zu müssen, um stabil zu bleiben. Das Ergebnis: Wir fühlen uns entfremdet.

Von Spielern und Driftern
Die sich immer schneller wandelnde Gesellschaft hat auch das Selbstverständnis des Bürgertums erfasst. Während der Bürger vergangener Tage seine Position in der Gesellschaft erarbeitet hat, seinen Platz in der Welt verankert hat, wird er nun zum Surfer, dessen Hauptanstrengung darin besteht 'oben' zu bleiben. Da der Platz in der Gesellschaft für den Bürger nicht mehr festgeschrieben ist, gilt es, die sich verändernde Welt ununterbrochen zu beobachten und bereit zu sein, auf die nächste Welle aufzuspringen. Wer ökonomisch und sozial gut gesichert ist, bewältigt dies einfacher als die weniger Privilegierten. Diese müssen sich als "Drifter" Wind und Wellen aussetzen und sich dort zurechtfinden, wo sie hingespült werden.



Die Prokrastination und ihre Folgen
Die Politik schiebt etwas auf die lange Bank. Man schindet Zeit, und die Zeit gibt einem die Möglichkeit, doch noch zu einem soliden Kompromiss zu kommen. Andererseits wird Politik immer kurzlebiger und orientiert sich an der nächsten Wahl, an der nächsten Umfrage. In diesem Widerspruch kann sie nicht länger bleiben. Politik muss lernen, im Futur II zu denken. Was müssen wir im Jahr 2011 getan haben werden, damit wir im Jahr 2020 oder 2030 bestimmte negative Entwicklungen vermeiden? Mit Wut-Bürgern alleine kann ich keine Politik machen. Da brauche ich Mut-Bürger, die Verantwortung übernehmen und die Aufgaben nicht an "die da oben", an die Politik, an den Staat delegieren.

Grundeinkommen und Gesundheit
50 Prozent der Arbeitnehmer erleben ihre Arbeit als krankmachend - in den höher bezahlten Jobs ist der Prozentsatz höher. Deutlich ist auch, dass die Arbeitslosigkeit genauso krank macht, dass die Selektion für den Arbeitsmarkt die Kinder in den Schulen unter psychischen Druck setzt, Perspektivlosigkeit erzeugt und Menschen auf die Bahn des Kostenfaktors schickt, dass soziale Kontakte - nun sogar von der Neurobiologie als unbedingt wichtig für die Entwicklung und Gesundheit der Menschen erkannt - durch die wachsende Belastung derer, die Arbeit haben und die Ausgrenzung derer, die keine haben, verkümmern. Welche Auswirkungen hat das Grundeinkommen auf die Gesundheit?



Diagnose Burnout
Dass es Hühnern in riesigen Mastanlagen nicht gut geht, ist uns Menschen klar. Warum nur fällt es uns so schwer zu erkennen, dass auch der Mensch bestimmte Bedingungen braucht, um glücklich zu sein? Ein erfüllter Beruf und ein ausgeglichenes Privatleben wären dabei nur zwei Aspekte. Stress, Überforderung und Versagensängste führen dagegen genau ins Gegenteil. Burnout heißt das Leiden, das immer mehr Deutsche von jetzt auf gleich aus der gesellschaftlich vorgegebenen Bahn wirft.

Fix und fertig - Die erschöpfte Gesellschaft
Bankenpleiten, Eurokrise, globaler Terror, selbst die von vielen als bedrohlich empfundene Digitalisierung der Welt: Immer mehr Menschen fühlen sich der Geschwindigkeit und der Leistungsanforderung der Gegenwart nicht mehr gewachsen. Sie leiden zunehmend unter Verlust- und Versagensängsten und meinen, dass sie angesichts der Unübersichtlichkeit der Verhältnisse ohnehin nichts ausrichten können. Sie sind ausgelaugt, sie sind fix und fertig. Kein Wunder also, dass sich in den modernen Gesellschaften, wo der Einzelne mehr als je zuvor auf sich selbst gestellt ist, die Symptome von Ermüdung und Erschöpfung mehren. Burnout-Erkrankungen und der Konsum von Aufputschmitteln und Aufhellern aller Art nehmen zu.



Klinikärzte schlagen Alarm: Gesellschaftlicher Seeleninfarkt droht!
Warum gelingt vielen Menschen kein natürliches Miteinander mehr? Weil die Bindungen zerstört werden, sagt der renommierte Kinder-und Jugendtherapeut Wolfgang Bergmann. Er ist einer der wenigen Experten, der die Defizite moderner Familienpolitik benennt. Es gelingt ihm, in die verletzbaren Kinderseelen zu schauen. Er versteht, worunter sie leiden und ergreift Partei für sie. Er weiß auch, welche Qualen Eltern durchmachen. Kompromisslos kämpft Bergmann stets gegen die politischen Mühlen von Krippenbetreuung und Entfremdung. Sein Credo: Verständnis und Liebe sind die notwendigen Pfeiler für ein familiäres Grundgerüst. Wichtigste Voraussetzung: viel gemeinsame Zeit. Denn nur in der Gemeinschaft lernt man voneinander.

Beschleunigte Welt
Der technische und naturwissenschaftliche Fortschritt treibt das Tempo an. Zeit ist Geld. Unablässig fließen Verkehr, Daten und Geldströme. "Alle relevanten technischen Erfindungen dienen dem Zeitsparen", behauptet der Soziologe Hartmut Rosa von der Universität Jena. Aber gewinnt man durch die technischen Möglichkeiten tatsächlich Zeit?  Schnellere Verkehrsverbindungen ermöglichen längere Anfahrten zu Arbeit und Terminen. Statt wie früher ein, zwei Briefe am Tag schreibt man heute Dutzende von E-Mails. Waren werden zwar nach Hause geliefert - dafür verbringt der Kunde mehr Zeit im Internet, um den besten Preis für das gewünschte Produkt zu bekommen.



Diktatur der Zeit
"Ihr könnt predigen über was ihr wollt, aber predigt niemals über vierzig Minuten". Das schrieb einst Martin Luther. Bereits die frühe protestantische Ethik sah einen engen Zusammenhang zwischen Sünde und Zeitverschwendung. In der Moderne, geprägt von Wachstum und Fortschritt, wurde Muße zur Zeitverschwendung und diese zum Sündenfall. Die Sendung beschäftigt sich mit dem Phänomen Zeit und fragt, warum sie in der Quantenphysik keine Rolle spielt, warum sie mal zu schnell und mal zu langsam vergeht und versucht zu ergründen, was hinter der Beschleunigungsmaschinerie steckt, die unser Leben bestimmt.

Leben mit Burnout
Daniel Schulte-Kump führt ein Leben auf der Überholspur: Abitur, Studium, Leistungssport Kanu, Trainings in Florida, Australien, er gewinnt die Deutsche Meisterschaft, wird Personal Trainer, macht sich mit einem eigenen Gesundheits- und Sportzentrum selbstständig. Der Erfolg scheint ihm zuzufliegen, alles gelingt. Dann plötzlich: der totale Kollaps. Daniel ist gerade 29 Jahre alt, als er zusammenbricht. Körperlich und psychisch. Burn Out. Er hat Selbstmordgedanken, wird in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Ein Arzt diagnostiziert: manisch depressiv, nicht zuletzt verursacht durch massive eigene Überforderung. Seitdem muss Daniel mit dieser Krankheit leben.



Warum immer mehr Menschen ausbrennen?
Als Ursache gilt eine Arbeitswelt, in der die Ausbeutung der Ressource Mensch immer intensivere Formen annimmt. Wie die psychische Belastung durch Arbeit tödliche Ausmaße annehmen kann, zeigt das Beispiel des französischen Telefonkonzerns France Télécom. Massenentlassungen, tiefgreifende Umstrukturierungen und verschärfte Arbeitsbelastungen führten dazu, dass sich innerhalb von zwei Jahren mehr als 30 Mitarbeiter am Arbeitsplatz das Leben nahmen. Danach musste der Vorstandschef seinen Posten räumen. Hoher Zeitdruck und die daraus resultierende Arbeitsverdichtung sind heute in fast allen Berufen zu finden.

Zeitwohlstand und Beschleunigung
Trotz erheblicher Produktivitätssteigerungen ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten die durchschnittliche Arbeitszeit nicht gesunken. Der beschleunigte Lebensstil unserer Gesellschaft verursacht Symptome von kollektivem Stress. Stress, Depression und Burn-Out sind Probleme/ Krankheitsbilder, die auf unsere Wirtschaftsweise zurückzuführen sind. Leistungsorientierung, Wettbewerbsdruck und die Ausweitung von Märkten auf alle Lebensbereiche untergraben das Bedürfnis nach Ruhe. Müßiggang ist zur Unart geworden, Produktivität zur Norm. Wir brauchen eine Neudefinition von Wohlstand. Wohlstand heißt nicht Überfluss an materiellen Gütern, sondern vor allem Zeit.