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Der Beschleunigungszirkel
Die Beschleunigungsdynamik hat sich zu einem geschlossenen Feedback-System verdichtet: Hartmut Rosa nennt das auch einen Beschleunigungszirkel, bei dem die eine Dimension immer die andere antreibt. Die technischen Innovationen, mittels derer wir versuchen, Zeit zu sparen, erlauben uns nicht nur, Prozesse schneller auszuführen oder Dinge schneller zu erledigen, sondern sie treiben gleichzeitig den sozialen Wandel an. Diese Änderung des sozialen Wandels wiederum führt dazu, dass wir unser Leben erleben, als stünden wir auf rutschigen Abhängen, die Welt scheint uns zu überrollen oder uns davonzulaufen. mehr

Das erschöpfte Selbst
Die Epidemiologie lehrt, dass sich die Depression in unserer Gesellschaft als eine Krankheit der Veränderung und nicht der ökonomischen und sozialen Misere ausgebreitet hat: Der Überfluss bringt sie hervor, und nicht die Wirtschaftskrise. Welchen Bereich man sich auch ansieht (Unternehmen, Schule, Familie), die Welt hat neue Regeln. Es geht nicht mehr um Gehorsam, Disziplin und Konformität mit der Moral, sondern um Flexibilität, Veränderung, schnelle Reaktion und dergleichen. Selbstbeherrschung, psychische und affektive Flexibilität, Handlungsfähigkeit: Jeder muss sich beständig an eine Welt anpassen, die eben ihre Beständigkeit verliert, an eine instabile, provisorische Welt mit hin und her verlaufenden Strömungen und Bahnen. mehr



Theoriemüdigkeit - Theorie der Müdigkeit
Buridans Esel hatte es noch leicht - zwischen zwei gleichgroßen Heuhaufen zu wählen. Im Zeitalter der 100 Fernsehprogramme und 1000 Urlaubsziele widerspricht die Fülle der Optionen unserer begrenzten Lebenszeit. Permanent tobt der Kampf um die knappste Ressource: Aufmerksamkeit. Und es kostet Kraft, ständig nein zu sagen zum Möglichen. Ja, mehr noch: zu vielen Optionen kann man eigentlich gar nicht nein sagen; sie sind "musts", gesellschaftliche Verbindlichkeiten. Man denke nur an den sozialen Anschlußzwang der neuen Medien - in jedem Wohnzimmer ein Fernseher, auf jedem Schreibtisch ein Computer; und heute gilt: Man kann nicht nicht emailen. Wer hier nein sagt, überfordert sich, und wer mitmacht, ist gestresst. mehr

Flexibilität. Mach langsam, Mensch!
Der moderne Erwerbstätige muss seine Leistung ständig erhöhen, er muss sich wirtschaftskompatibel konzipieren, muss sich hochtunen für die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. Flexibel muss er sein, mobil und multilingual. Er kalkuliert kurzfristig und bindet sich nicht an einen Arbeitgeber, so wie der sich auch nicht an ihn bindet. Und weil er alle diese Anforderungen nur erfüllen kann, wenn er voller Energie steckt und keine hemmenden Verpflichtungen am Bein hat, ist er jung, für immer. Vor allem aber macht der ideale Erwerbstätige sein Innenleben zurecht: Er stellt sich, sein Denken und Fühlen, auf den Wechsel als Status quo ein. 
Das macht auf Dauer krank. mehr



Im Rausch der Raserei
Autonomes Individuum, Staat, Recht, Demokratie werden in der Beschleunigungs-Mühle zermahlen. Die Beschleunigung frißt ihre Kinder. Eine stabile Lebensplanung ist in der rasenden Veränderung der Lebensverhältnisse nicht mehr möglich. Die Laptop-Generation wird eine Praktikanten-Generation bleiben. Hartmut Rosa spricht von Spielern und Driftern als den Sozialtypen der Zukunft. Leben heißt für sie reagieren und improvisieren. Aus einem Wandel von Generation zu Generation ist ein "intragenerationeller Wandel" geworden. Hermann Lübbe sprach vom "Schrumpfen der Gegenwart". Das spätmoderne Individuum hat eigentlich keine Gegenwart mehr, die über Fuß- und Nasenspitze hinaus reicht. mehr

Atemlos
Nicht Geld, nicht Macht, sondern Beschleunigung regiert die Welt. Was wir in der Produktion an Zeit gewinnen, müssen wir im Konsum wieder ausgegeben - das gesteigerte Produktionstempo hat »ökonomisch zwingend« eine »Erhöhung der Konsumtionsakte zur Folge«. Weil der Bedarf weitgehend gedeckt und der Markt gesättigt ist, dreht die Produktion leer und wird zum Selbstzweck. Die ethischen Ziele des Wirtschaftens gehen verloren, eine erpresserische Sachzwanglogik tritt an ihre Stelle. Wir produzieren für die Produktion, während uns die gesparte Zeit als Arbeitslosigkeit heimgezahlt wird. Oder frei nach Max Weber: Der kapitalistische Geist ist tot, sein Gehäuse stahlhart geworden. mehr



Das Beschleunigungsregime
Die kapitalistische Organisation des Wirtschaftssystems verknappt fortwährend Zeit: Zeit ist Geld, lautet hier die Kurzformel und Geld ist notorisch knapp. Das Verlangen, alles in Bewegung zu versetzen, das materielle, das soziale und das geistige Universum, ist ein Grundmotiv der Moderne; es beherrscht uns in nahezu allen Lebensaeusserungen. Die Moderne laesst sich deshalb geradezu durch das Gefuehl der knappen, davoneilenden Zeit definieren. Das Erstaunliche ist, dass Menschen berichten, sie haetten das Gefuehl immer schneller rennen zu muessen, nur um ihren Platz zu halten, um «auf dem Laufenden» zu bleiben. mehr

Der beschleunigte Wandel sozialer Wirklichkeit
Die auf die Beseitigung aller Langfristigkeiten hin angelegten Zeitmuster des Turbokapitalismus zersetzen die zeitspezifischen Formationsbedingungen eines solchen Charakters. Aus der rasanten Temporalisierung dominanter Teilbereiche unserer Gesellschaft resultiert mithin eine schleichende Umstrukturierung der Wertordnung. Subjekte ebenso wie Organisationen sind ständig mit dem Feuerlöschen, d.h. mit der Bewältigung andrängender Probleme, aber auch mit dem Offenhalten zukünftiger Optionen und Anschlussmöglichkeiten beschäftigt. Der Versuch, einen langfristigen Lebensplan zu verfolgen oder eine Überzeugung, ein Vorhaben eigensinnig und hartnäckig auch gegen Widerstände zu verteidigen, wird immer riskanter und kostspieliger. mehr



Der Homo Faber Mobilis
Der bloße homo faber ist Vergangenheit. Er war der Mensch der Moderne. In der Postmoderne reicht es nicht mehr wenn der homo faber, der Mensch einfach arbeitet. Er muss ein homo faber mobilis sein. Er soll in höchstem Maß flexibel, mobil und anpassungsfähig sein. Seit langem wird daher so getan, als sei ein Mensch, wenn er keine Arbeit hat und auch keine kriegt, schlichtweg nicht ausreichend flexibel, nicht ausreichend mobil, nicht ausreichend anpassungsfähig. An der Arbeitslosigkeit ist also angeblich nicht zuletzt derjenige selbst schuld, der keine Arbeit hat. Wäre er genügend mobil, flexibel und anpassungsfähig, wäre er also nicht zu bequem, dann hätte er ja Arbeit. mehr

Generation X - Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur
Douglas Coupland´s Roman Generation X scheint die These des "Rasenden Stillstands" - dem Zusammenfall der Antinomien von Bewegung und Beharrung - zu bestätigen, wenn er folgende Definition einer spätmodernen "Geschichtsvergiftung" anbietet:
Historical Overdosing: In einer Zeit zu leben, in der allzuviel zu passieren scheint. Hauptsächliches Symptom: süchtig nach Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehnachrichten.
Historical Underdosing: In einer Zeit zu leben, in der nichts zu passieren scheint. Hauptsächliches Symptom: süchtig nach Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehnachrichten. mehr



Zahlungsunfähig - Reflexionen über die Temporalinsolvenz
Die moderne Gesellschaft, ja die Moderne überhaupt, ist durch die notorische Beschleunigung aller Lebensbereiche und durch die Verkürzung von Handlungsabläufen und sozialen Prozessen in nahezu allen Gesellschaftsbereichen gekennzeichnet. Das Ergebnis dieser mächtigen zeitlichen Veränderungstendenz ist, dass wir alle immer schneller laufen müssen, nur um unseren Platz zu halten im sozialen Gefüge. Wer ausruht, wird abgehängt, fällt zurück, verliert Optionen und Anschlusschancen; kurz er verliert seine Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt, in der, wie es die Spatzen von den Dächern pfeifen, der Wettbewerb immer härter wird. mehr

Formen der Vergleichzeitigung
die wachsende Austauschbarkeit von Gütern, Orten und Bildern in einer Wegwerfgesellschaft;
die zunehmende Flüchtigkeit und Vergänglichkeit von Moden, Gütern, Arbeitsprozessen, Ideen und Bildern;
eine verschärfte Zeitweiligkeit von Gütern, Jobs, Karrieren, Natur, Werten und Beziehungen;
das Anwachsen befristeter Arbeitsverträge und einer just-in-time-Arbeiterschaft sowie die Tendenz, lange Aufgabenlisten anzufertigen  mehr



Die Last des Möglichen
Im Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten symbolisiert die Depression das Unbeherrschbare. Wir können unsere geistige und körperliche Natur manipulieren, wir können unsere Grenzen mit verschiedenen Mitteln zurückdrängen, aber diese Manipulation befreit uns von nichts. Die Zwänge und die Freiheiten verändern sich, aber das Irreduzible wird nicht weniger. Es verändert sich lediglich - nicht mehr und nicht weniger. Wenn, wie Freud dachte, der Mensch neurotisch wird, weil er das Ausmaß des Verzichts, das die Gesellschaft fordert, nicht ertragen kann, so wird er depressiv, weil er die Illusion ertragen muss, dass ihm alles möglich ist. mehr

Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden
Um zu verstehen, warum psychische Fehlentwicklungen die Grundlage für die Probleme mit unseren Kindern sind, darf ein genauer Blick auf die Welt der sie prägenden Erwachsenen nicht fehlen. Wir befinden uns heute auf einem selbst generierten Crash-Test. Mit höchster Geschwindigkeit und ohne sich vorher erkundigt zu haben, wo die Bremse sitzt und wie man das Steuer noch rechtzeitig herumreißen könnte, rast der Rennwagen, der sich moderne Gesellschaft nennt, auf eine Mauer zu und vertraut darauf, dass dieser Höllenritt schon irgendwie gut gehen möge. Seine derzeitige rasante Geschwindigkeit aufgenommen hat dieser Rennwagen vor gut sechzig Jahren.  mehr



Vom intergenerationalen zum intragenerationalen Tempo
Heute weisen Familienstrukturen eine unübersehbare Tendenz auf, eine intragenerationale Lebensdauer anzunehmen, wofür steigende Scheidungs- und Wiederverheiratungsraten sowie Haushaltsneuordnungen oder -auflösungen der deutlichste Beleg sind. Der Lebensabschnittspartner ersetzt heute tendenziell den Lebenspartner. Dieser Dynamisierungsbefund gilt nun auch und in sogar verstärktem Maße für die Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse: Mehrfacher Berufs- und/oder Beschäftigungswechsel innerhalb eines Erwerbslebens (oftmals begleitet von längeren oder kürzeren Phasen der Beschäftigungslosigkeit) scheint sich nach der überwältigenden Mehrheit der empirischen Befunde von der Ausnahme zur Regel zu entwickeln. mehr

Gebraucht der Zeit - sie geht so schnell von hinnen
Von nichts sind wir so durchdrungen wie von der Vorstellung, dass die Zeit knapp sei, dass wir unsere Lebensvollzüge auf Trab bringen müssen, um der Knappheit der Zeit Rechnung zu tragen. Tatsächlich siedelt, wer es nicht eilig hat, am Rand der Gesellschaft: Die Arbeitslosen, zum Beispiel, die in Fortbildungs- und Berufsförderungsmaßnahmen, die ihnen auch nichts nützen, gejagt werden, damit sie nicht in Sinnkrisen verfallen oder anomisch werden oder die Kinder, zum Beispiel, die, wenn man sie fördern und für das ?Leben? vorbereiten will, einen Terminkalender verpasst bekommen, der dem Manager eines mittleren Konzerns zur Ehre gereichen würde. mehr



Soziale Beschleunigung als Antwort auf den Tod?
Das spätmoderne Subjekt kommt niemals an den Punkt, alt und 'lebensgesättigt' zu sterben, die Lebenszeit also mit Weltzeit versöhnt zu haben, weil alles was es erlebt hat, längst überholt worden ist durch neue gesteigerte Erlebnis-, Ereignis- und
Erfahrungsmöglichkeiten. Das ist die kulturelle Logik der sozialen Beschleunigung: Panisches Wegrennen vor der Unausweichlichkeit des Todes in dem Versuch, soviel Welt wie möglich, ja unendlich viel Welt 'mitzunehmen', eher wir sterben müssen. Leider hat auch das nicht geklappt: Wir werden nicht nur zeitarm sterben - das Leben wird an uns vorbeigerast sein - sondern auch noch weltarm, lebensarm. Denn wer sich Welt und Leben aneignen will, muss sich Zeit lassen, muss sich Dinge anverwandeln.  mehr

So gestresst ist Deutschland?
Acht von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig, jeder Dritte steht unter
Dauerdruck. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Techniker Krankenkasse vorgestellt hat. Hauptursachen sind Jobstress, finanzielle Sorgen und Ärger im Straßenverkehr. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker. Nicht nur im Job, in allen Lebensbereichen stehen wir unter Strom. Kaum jemand kann noch richtig abschalten - und dieses Leben auf Standby macht die Menschen krank. Bereits jeder Fünfte leidet unter gesundheitlichen Stressfolgen - von Schlafstörungen bis zum Herzinfarkt. Je höher das Stress-Level, desto kränker sind die Menschen. mehr



Zeitmuster und Optionenvielfalt
Lebensführungskompetenz zeigt sich darin, wie es einem Menschen gelingt, die kurzfristig und die langfristig relevanten Dinge gegeneinander zu balancieren: Was im kurzfristigen Zeithorizont als sehr wichtig erscheint, mag langfristig recht irrelevant sein, und was kurzfristig hohe Befriedigung verspricht, mag langfristig die weniger lohnenswerte Strategie sein. In der Fähigkeit, kurzfristig auf Bedürfnisbefriedigung zu verzichten, um langfristige Ziele zu erreichen, die sich als viel lohnenswerter erweisen werden, haben Soziologen seit langem einen entscheidenden schichtenspezifischen Faktor für den Bildungserfolg von Schülern ausgemacht. mehr

Ohne Bremse an die Wand
Der Ruf nach Entschleunigung, so hörte man noch vor Kurzem, sei die Ideologie der Modernisierungsverlierer, die sich nach langsameren Zeiten zurücksehnten. Verlangsamung sei attraktiv für diejenigen, die sich dem neuen Tempo nicht anpassen könnten, ansonsten aber schädlich für die weitere Modernisierung der Gesellschaft. Das allerdings ist ein Irrtum: Systematische Entschleunigung ist funktionsnotwendig für die Erhaltung moderner Gesellschaften. Der auf Beschleunigung der Kapitalumschlaggeschwindigkeit gerichtete Kapitalismus bedarf entgegengerichteter Beharrungskräfte und stabilitätssichernder Institutionen, er braucht auch Abbremsvorrichtungen zum Schutz vor überhitzenden Transaktionsgeschwindigkeiten. mehr



Keine Zeit für Liebe, kein Zeit für Kinder?
Eine nachhaltige Familienpolitik, die nachwachsenden Generationen die Möglichkeit einräumen will, ihre Lebensentwürfe in der gleichen Freiheit zu gestalten wie die eigene Elterngeneration, wird nur dann Erfolg haben, wenn die Zeit für »care« zu einem Teil der Lebensperspektive im Lebensverlauf geworden ist und für Männer wie für Frauen auch die Möglichkeiten geschaffen werden, das einzulösen. Aber ein solcher Ansatz unterstellt, dass sich Paare nicht nur gefunden haben, sondern sich auch auf ein gemeinsames Lebensprojekt und einen gemeinsamen Lebensentwurf mit der Verantwortung für Kinder entschieden haben. mehr

Berufliche Überlastung
Ich kann nicht mehr. Es macht keinen Spaß mehr. Ich fühle mich ausgebrannt. Ich bin innerlich leer. Die Arbeit nimmt kein Ende. Ich werde meine körperlichen Probleme nicht los. Ich bin nur noch müde. Diese oder ähnliche Gedanken haben Menschen, die im Beruf überfordert sind oder sich überfordert fühlen. Dabei ist für die berufliche Arbeit ein bestimmtes Quantum an Stress durchaus hilfreich, denn bei mittlerer Belastung durch Stress ist die Leistungsfähigkeit am höchsten. Doch bei zunehmendem Stress folgen Ermüdung, Erschöpfung bis hin zum Zusammenbruch. mehr



Flexible Menschen in rasenden Verhältnissen
Der Alltag ist flexibel und unberechenbar geworden. Das lässt sich schon an der Mittagspause erkennen: Man kann nicht mehr einfach davon ausgehen, dass sie um 12 Uhr beginnt: Der eine macht um Zwölf Mittagspause, der andere um Eins, der Dritte fängt vielleicht um zwölf Uhr erst zu arbeiten an. Es gibt für die Mittagspause keine sozial und kollektiv vorgesehene Zeitstelle mehr. Sie ist flexibel gestaltbar. Das gleiche gilt beispielsweise für das Einkaufen. Die Geschäfte bleiben immer länger geöffnet, so dass der Einkauf nicht mehr bis 18.30 erledigt sein muss, sondern nahezu jederzeit, vielleicht auch im Internet, stattfinden kann. mehr

Rankings verändern die Wissenschaft
Keiner glaubt, dass bei Deutschland sucht den Superstar der Beste gewinnt. Gerade weil es jeder schaffen kann ist es doch so spannend! Wieso sollte das bei Deutschland sucht die Superuni anders sein? Leistung und Erfolg sind nicht mehr unterscheidbar: Der Beste ist, wer gewinnt, es gibt kein unabhängiges Kriterium mehr. Mehr noch: Es bedarf auch keiner unabhängigen Kriterien mehr! Allerdings bewegen wir uns auf eine haarfeine Grenzlinie zu, hinter der wir sagen werden: Sie widerspiegeln keinerlei Realität, aber an irgendetwas müssen wir uns ja schließlich orientieren.  Das Rankingfieber lehrt uns, dass die Attraktivität der Zahl im Zeitalter der Hyperbeschleunigung ins Unermessliche steigt. Speed is everything! Übrigens: Der Zählzwang ist ein anerkanntes Symptom der Eilkrankheit. mehr



Wie wollen wir leben?
Es scheint, als habe die ganze Gesellschaft den Modus atemloser Hast verinnerlicht. Als könne man gar nicht mehr anders leben. Als müsse man rennen statt gehen. Als wäre der Wunsch nach »Entschleunigung« esoterischer Blödsinn. In den Jahren der höchsten Arbeitslosigkeit lebten nicht nur die Arbeitslosen in materieller und seelischer Bedrängnis ? auch die meisten, die Arbeit hatten, fürchteten um ihren Job. Die Folge waren eine enorme Zunahme von Stress- und Angststörungen ? um mehr als 70 Prozent stieg die Zahl der seelischen Leiden am Arbeitsplatz zwischen 1997 und 2004. Obwohl kaum noch jemand wegen Grippe zu Hause blieb, nahmen die psychisch bedingten Fehlstunden in dieser Zeit um mehr als ein Drittel zu. Herzinfarkt, Depression und Angst sind Volkskrankheiten geworden. mehr

Die Wiederentdeckung der Muße
Wenn er sich zum Mittagsschlaf zurückzog, hängte der französische Dichter Saint-Pol-Roux an seine Tür das Schild: »Poet bei der Arbeit«. Denn er wusste: Müßiggang ist aller Ideen Anfang. Wirklich schöpferische Einfälle kommen einem am ehesten dann, wenn man sie nicht zu erzwingen versucht. Das gilt beileibe nicht nur für die Poesie. Die Erleuchtung zu seiner Gravitationstheorie kam Isaac Newton, als er im heimischen Obstgarten versonnen einen Apfel betrachtete (dass ihm dieser auf den Kopf fiel, ist allerdings eine Legende). Das Nichtstun, der nicht zweckorientierte Müßiggang, gilt als unproduktiv und öde. In einer Leistungsgesellschaft, die das Wachstum, den Konsum und die persönliche Erlebnismaximierung feiert, wird das Nichtstun zu einem bitteren Genuss. mehr



Ausgebrannt
Geprägt wurde der vom englischen »to burn out« - ausbrennen - abgeleitete Begriff Anfang der 1970er Jahre von Herbert J. Freudenberger. Der New Yorker Psychoanalytiker musste zunächst bei sich selbst feststellen, dass ihn sein Job, der ihm einst Spaß bereitet hatte, nur noch ermüdete und frustrierte. Dann fiel ihm auf, dass viele seiner gestressten Medizinerkollegen mit der Zeit zu depressiven Zynikern mutierten, die ihre Patienten zunehmend lieblos und abweisend behandelten. Freudenberger nahm daraufhin auch Menschen aus anderen Berufsgruppen genauer unter die Lupe und stieß immer wieder auf dieselben Probleme. Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen, oft in Kombination mit körperlichen Symptomen wie Rückenschmerzen oder Verdauungsproblemen.
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Allgemein hatten wir uns eine bessere Welt erhofft
Unsere Gesellschaft hantelt sich von Versprechen zu Versprechen voran, nicht allerdings von Fortschritt zu Fortschritt. Wurden einst Luxus und Aufstieg für alle angepriesen, so sollen wir nun allesamt einem Leben voll Vergnügen entgegenblicken, so sollen Ruhm und Ehre nun in unser aller Reichweite sein. Vieles deutet darauf hin, dass auch diese Verheißung nicht in Erfüllung gehen wird. Im Gegenteil, die Last der Menschen in der produktivistischen und kommerzialisierten Gesellschaft von heute ist größer geworden. Sie wird ihnen durch eine Reihe von Entwicklungen aufgebürdet - Kommerzialisierung, Individualisierung, Neoliberalismus und Pseudobefreiung. All dem fehlt ein tatsächlich wirksames Gegengewicht mehr

Autonomieverlust im Zeitalter der "Eilkrankheit"
Seit wir ein neues Handy haben, sind wir nicht mehr in der Lage, die wichtigsten Familienmitglieder per Kurzwahl zu erreichen, weil wir den Speicher verloren haben; wir wissen nicht, wo sich die Wahlwiederholungstaste befindet, wie sich die AB-Einstellungen justieren lassen etc. Zwar besitzen wir hunderte von Schallplatten, die es uns erlauben, nahezu jedes Musikstück, das uns teuer ist, zu hören - aber leider repariert niemand unseren alten Plattenspieler. Und weil der neue Computer nicht mehr mit der XP-Oberfläche, sondern mit Vista operiert, müssen wir sogar wieder neu lernen, wie man Dateien speichert, öffnet, ja, den Computer herunterfährt: Natürlich können die Geräte das alles und noch vieles mehr - aber wir hatten keine Zeit, es uns »anzuverwandeln«. mehr

Innere Mobilisierung - Warum wir so nervös sind
Im Beruf, in der Familie und im Bekanntenkreis, überall wird Engagement gefordert, Zuwendung, Energie und Konzentration. Da sitzen sie und klagen ihr Leid. Sie können nicht mehr. Sind ausgebrannt. Stehen kurz vor der Depression, wissen nicht mehr, wie sie das weiter durchstehen lassen. Viele der Probleme, denen moderne Menschen sich gegenübersehen - Stress, Überforderung, Ruhelosigkeit -, haben mit dem Einzelnen wenig zu tun. Ihre Ursachen liegen in der Struktur moderner Gesellschaften, der mit psychologischen Mitteln kaum beizukommen ist. Man sollte also auf die gesellschaftlichen Systeme schauen. mehr


Immer schneller und immer schlechter - Turbogesellschaft
Alles, was wir machen, machen wir neuerdings im Turbogang. Unsere Kinder sollen nach acht Jahren das Gymnasium hinter sich lassen, nach drei Jahren das BA-Studium, wir wollen möglichst immer schnell vorankommen, der ICE ist das Symbol unserer Zeit. Wir haben wenig Zeit und wollen fortwährend Zeit sparen, damit wir die übrig bleibende Zeit mit Arbeit füllen können. Und um das Ganze durchhalten zu können, benötigen wir täglich ein gerüttelt Maß an Zerstreuung, damit ja keine Langeweile aufkommt, damit wir ja nicht die Leere spüren. Das Problem der Langeweile haben wir wahrlich gelöst. Nicht gelöst haben wir die Probleme, die durch die Beseitigung der Langeweile entstanden sind.  mehr

Entfremdung im Zeitalter der Eilkrankheit
Individuell und kollektiv machen die Akteure die Erfahrung, dass sie ihr Leben und die sozialen Verhältnisse weder gestalten noch sich anverwandeln können und dass sie den von ihnen selbst geschaffenen Steigerungszwängen ohnmächtig gegenüberstehen. Dabei werden ihnen die Orte, an denen sie sich aufhalten, die Menschen, mit denen sie zu tun haben, die Dinge, mit denen sie sich umgeben, die Werkzeuge, mit denen sie arbeiten, und schließlich ihre eigenen Bedürfnisse, Empfindungen und identitätsstiftenden Geschichten zunehmend fremd. Entfremdung ist die Erfahrung der Unfähigkeit, konstitutive Bindungen oder Beziehungen zur Welt zu entwickeln. mehr


TINA und die Aliens
Die Wirtschaft muss wachsen, weil wir sonst keine Arbeit haben. Das Problem ist, dass wir mehr produzieren müssen, und zwar mit weniger Leuten, obwohl wir schon alles haben, was wir brauchen. Weil wir sonst keine Arbeit mehr haben. Arbeit gäbe es eigentlich genug - wir müssten dringend unsere Straßen reparieren, unsere Umwelt pflegen, unsere Alten und Kranken angemessen versorgen -, aber wir können uns das alles nicht mehr leisten, weil die anderen Länder, mit denen wir im Wettbewerb stehen, sich dies auch nicht mehr leisten. Alle Länder der Erde, von zwei kleinen, insel-artigen Gebilden abgesehen, denen es noch schlechter geht als uns, haben es eingesehen, alle Universitäten, alle Zeitungen und Fernsehsender, alle Wirtschaftsexperten predigen es: Die Wirtschaft muss wachsen, es gibt keine Alternative! mehr

Die Burnoutthese von Hartmut Rosa
Nicht die viele Arbeit, wohl aber die Arbeitsverhältnisse führen tendenziell zu Burnoutkrankheiten. Burnout tritt auf, wenn Erfolge nicht mehr wahrgenommen oder gefeiert werden, sondern nur als "Zwischenschritte in einer endlosen Kette" erscheinen, wenn Anerkennung versagt wird (Gratifikationskrise), wenn genuine persönliche Beziehungen und Interaktionen auf der Strecke bleiben oder instrumentalisiert werden, wenn die Arbeitsschritte nicht mehr intrinsisch motiviert sind, die Lust an der Arbeit als sinnerfüllte Tätigkeit verschwindet. Dass man "immer schneller Laufen muss, nur um seinen Platz zu halten" macht die Menschen fertig. Stetig wachsen, beschleunigen und innovieren zu müssen, nur um STEHENBLEIBEN zu können, nicht in die Krise zu rutschen, führt in eine existenzielle Unmöglichkeit. mehr


Acht-Punkte-Strategie zum Umgang mit Zeitnot, nach Hartmut Rosa
Es herrscht ständig Eile, um „auf dem Laufenden zu bleiben“. Wer stehen bleibt, droht den Anschluss zu verlieren: Eine Woche offline wird mit hunderten von E-Mail-Nachrichten bestraft. Tarife für Strom, Bahnfahren, Versicherungen ändern sich alle paar Monate. Fachwissen muss ständig aktualisiert werden. Um in den 24 Stunden möglichst viel unterzubringen, wird schneller gegessen, kürzer geschlafen, das Familienfest früher beendet und seltener Pause gemacht, wie Zeitbudgetstudien ergaben. Wird eine Tätigkeit verkürzt, lässt sich früher mit der nachfolgenden beginnen. Aus einer Mahlzeit wird so Fastfood, aus der Verabredung das Date und Speeddate, aus dem Mittagsschlaf der Powernap. Mehreres gleichzeitig zu erledigen – das Multitasking – ist ebenso beliebt wie umstritten. mehr