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Was ist soziale Beschleunigung? 
Es gibt eine von allen Soziologen anerkannte These, die lautet, Moderne und Beschleunigung gehören eng zusammen: der technische und naturwissenschaftliche Fortschritt, die industrielle und digitale Revolution sind jeweils Elemente, die die Gesellschaft schneller gemacht haben. Auch die Kommunikationsbeschleunigung ist einfach zu messen und leicht nachzuvollziehen: Wir schicken keine Brieftauben mehr aus oder Boten, die Nachrichten übermitteln, sondern uns steht nach Telefon und Telegrafie inzwischen sogar das Internet zur Verfügung, welches geradezu die Ortlosigkeit, die Utopie zu einer Realität gemacht hat.

Depression am Arbeitsplatz
Die Zahl psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz hat ein Rekordniveau erreicht. Burn-out, Neurosen oder Angstzustände - diese Krankheitsbilder diagnostizieren Ärzte immer häufiger bei Arbeitnehmern als Folge von beruflichem Dauerstress. Menschen, die unter einer Depression leiden, haben oft das Gefühl, die Zeit stehe still; und wir wissen von vielen psychosozialen Untersuchungen, auch von der Weltgesundheitsorganisation, dass Depressionserkrankungen nicht nur zunehmen, sondern tatsächlich Reaktionen auf Stress und beschleunigte Veränderungserfahrungen zumindest sein können.



Wir leben zu schnell
Wir laufen und laufen schneller und schneller und hoffen darauf, dass weitere Beschleunigung ein Entkommen aus der beschleunigten Panaik garantiere. Das heisst natürlich das Problem als Lösung zu verkennen. Menschen erfahren Bewegung als etwas Positives und Befreiendes, falls sie das Gefühl haben, es geht in die richtige Richtung. Aber in letzter Zeit nehmen wir zusehends eine Veränderung ohne Richtung und Ziel wahr, ein auf-der-Stelle-treten. Wir gehen nirgendwo hin, wir verändern uns nur ständig. Und das führt zu einem Gefühl des "rasenden Stillstands".

Immer mehr Zeitdruck bei der Arbeit
"Zeit ist Geld!" - so lautet die Grundformel des Kapitalimus. Viele Konkurrenten rauben Zeit und Kraft und zwingen Menschen auf die Überholspur. Der Mensch steht unter dem Zwang, überall an der Spitze stehen zu müssen, weil sich der Konkurrenzdruck verschärft. Doch mehr Wettbewerb bedeutet weniger Zeit. Das ist letztlich eine Spirale ohne Ende, in der sich der Einzelne vorkommt wie der Hamster im Laufrad. Wer die Notbremse zieht, katapultiert sich aus der modernen Welt. Entschleunigung bleibt ein Traum?



Völlig ausgebrannt - Die erschöpfte Gesellschaft
Phänomene der Erschöpfung nehmen offenkundig zu. In der Ökonomie bewegt man sich am Rande einer "Depression" und wartet sehnsüchtig auf eine Phase der "Erholung"; in der Politik beklagt man sich über Verdrossenheit oder Apathie der Bürger und klagt deren Engagement und Aktivität ein; in Kunst und Kultur herrscht ein Gleichmaß des Betriebs, der kaum noch "Ereignisse" kennt. Aber auch im "Seelenhaushalt" der Einzelnen mehren sich Erschöpfungszustände. Phänomene des "burn-out", der Depression und Angst greifen um sich.

"Eigentlich bin ich ganz anders, nur komm' ich so selten dazu"
Dieses Ödön von Horvath zugeschriebenes Bonmot traf genau die Lebenserfahrung Hartmut Rosas und er begann über das Thema "Beschleunigung" nachzudenken: Man hetzt von Termin zu Termin, privat oder beruflich, und habe dabei das Gefühl, nie zu den Dingen zu kommen, an denen einem wirklich liegt. Rosa wollte wissen, ob er etwas falsch macht oder ob er einem Strukturproblem der modernen Gesellschaft auf die Spur gekommen war. Die Moderne kann durch das Gefühl der knappen, davoneilenden Zeit definiert werden.



Über die wahren und falschen Bedürfnisse
Als moderne Menschen kennen wir alle diese Impulse, dass wir noch eben mal schnell was tun müssten: schnell noch eine sms schreiben, mal schnell noch ein Anruf tätigen oder mal schnell noch ne Notiz machen. «Erledige zuerst das Dringendste, das, was wirklich bis morgen erledigt sein muss, und danach das Zweitdringendste, das vielleicht noch bis übermorgen warten kann, und wenn Du damit fertig bist, kannst Du dich dem zuwenden, dessen Erledigungsfrist nicht ganz so knapp bemessen ist», so lautet die zeitgenössische Handlungsstrategie. Das Dringendste ist jedoch fast nie auch das Wichtigste.

Verkaufsoffener Sonntag raubt uns ein Stück Muße
Am 7. Tag sollst du ruhen, so sprach der Herr. Das tut der moderne Mensch inzwischen keineswegs. Der Sonntag ist in der Regel ein Tag breiter Aktivität: Sport, Kultur, Freizeit, nur einkaufen können wir nicht. Der Zeitforscher Hartmut Rosa wendet sich strikt gegen Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Wenn man dann auch einkaufen könne, werde der Sonntag den anderen (weitesgehend von der ökonomischen Sphäre geprägten) Tagen immer ähnlicher. Wir unterliegen aber kollektiven Rhythmen, so Rosa, und bräuchten deshalb zur eigenen Entlastung einen einkaufsfreien Sonntag.



Gefangen im Hamsterrad - Arbeitssucht und Burnout
Die hohen Zahlen von Menschen mit Burnout-Syndrom belegen, dass der gesunde und souveräne Umgang mit Arbeit längst nicht jedem gelingt. Welche Rolle spielen die Ideale unserer modernen Leistungsgesellschaft bei Arbeitssucht und Burnout? Was steckt dahinter, wenn der Job wichtiger wird als Familie, Freunde und Hobbys? Und wie lässt sich das Hamsterrad stoppen? Wir schlafen nicht! Wenn die einzigen Werte Effizienz, Leistung und Erfolg darstellen, dann wird es eng und gefährlich, meint die Autorin Kathrin Röggla. Der Leistungsdruck setzt heute immer früher ein, so wissen bereits Grundschulkinder, dass sie mit einem Hauptschulabschluss keine Chance haben.

Bloß nicht festlegen! Wenn Erwachsene nicht erwachsen werden.
Es geht um die "Generation Umhängetasche", die "Langzeitadoloszenten", die ewig Jugendlichen, die mit ihren Habseligkeiten von Wohnung zu Wohnung ziehen, von Job zu Job, von Beziehung zu Beziehung ziehen. Sie arbeiten als Autowäscher, freie Journalisten, Kabelhelfer, studieren nebenbei und wechseln einmal im Jahr ihr Domizil, bis sie beschliessen, erwachsen zu werden. Doch warum ist es heute so schwer, erwachsen zu werden? Das Idealbild älterer Menschen ist nicht mehr das des Weisen Alten, sondern das des immer noch flexiblen, wandlungsfähigen Nicht-wirklich-Alten, meint der Soziologe Hartmut Rosa.



Wie viel Geschwindigkeit verträgt die moderne Gesellschaft?
Wir leben auf der Überholspur. Alles muss schnell gehen. Arbeiten. Essen. Trinken. Reden. Reisen. Lesen. Lieben. Dabei passieren Unfälle. Übereilte Handlungen. Falsche Entscheidungen. Das Resultat: Stress und Überforderung. Wer mithalten will, muss sich "fit machen". Und wer nicht Schritt halten kann? Familien, Betriebe, Gesellschaften sind Zeitgemeinschaften: Jede hat ihren eigenen Rhythmus. Je mehr die Welt beschleunigt, desto mehr streben die Menschen nach Entschleunigungs-Inszenierungen.

Immer auf dem Sprung - das Leben der Jobnomaden
Empirische Studien sind in ihrer Tendenz eindeutig: sie finden eine deutliche Verkürzung durchschnittlicher Beschäftigungsdauer in einem Betrieb, eine Zunahme zwischenbetrieblicher Stellenwechsel, eine gestiegene Mobilität der Arbeitsnehmer, eine Zunahme kurz- und mittelfristiger Beschäftigungsverträge und insgesamt eine wachsende Instabilität von Beschäftigungsverhältnissen. Es wird erwartet, dass Menschen bereit sind, für den Job umzuziehen, und dass sie auch mal im Ausland gelebt haben. Warum der heutige Zwang zur Mobilität belastet.



Wenn der Zeitdruck wächst - Die Sehnsucht nach Entschleunigung
Es geht in der Zeit-Ökonomie um die Optimierung der kostbarsten Ressource, um die Zeit. 70% der Deutschen stehen unter Zeitdruck, 40% wünschen sich einen 30-Stunden-Tag. Die Wirtschaft bietet hier Produktlösungen an, von der Mikrowelle über Home-Delivery bis zum Convenience-Store (z.B. Tankstelle) und Handys, E-Mails, Schnellzüge, Flugzeuge ersparen uns immer mehr Zeit. Wie aber gehen wir mit der ersparten Zeit um? Wir packen neue Termine oder Arbeitsabläufe hinein, damit sich die Zeitersparnis auszahlt. Über die Möglichkeiten und Wege der Entschleunigung diskutieren drei Zeitexperten.

Wir haben keine Zeit obwohl wir sie im Überfluss gewinnen
Der Wesenskern moderner Gesellschaften besteht in einem immer schnelleren "In-Bewegung-Setzen" der materiellen, sozialen und geistigen Welt, in der wir leben. Das Ergebnis dieser mächtigen zeitlichen Veränderungstendenz ist, dass wir alle immer schneller laufen müssen, nur um unseren Platz zu halten im sozialen Gefüge. Wer ausruht, wird abgehängt, fällt zurück, verliert Optionen und Anschlusschancen; kurz er verliert seine Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt, in der, wie es die Spatzen von den Dächern pfeifen, der Wettbewerb immer härter wird.



Entwicklung vollzieht sich nur in der Zeit und nicht gegen die Zeit
In vielen Sozialbereichen, Schule mag ein Beispiel sein, der Finanzsektor ein anderes, haben wir die Geschwindigkeitsschraube überdreht. In diesen Bereichen vollziehen sich Aktionen und Transaktionen mit Geschwindigkeiten, die jede Qualitätskontrolle und die Sicherung von Standards untergraben. Oft denken wir, dass wir den schnellsten Weg zu einem Ziel nehmen müssen und übersehen dabei, dass die Reifungsprozesse sich erst entfalten, wenn wir auch Umwege und Irrwege in Kauf nehmen. Es sind gerade Irrwege, die Kulturleistungen hervorbringen und vor allem die Freiräume schaffen für wirkliche Kreativität.

Rasender Stillstand!
Rasender Stillstand oder das Ende der Beschleunigung bedeutet, dass wir uns nur noch verändern; wir wechseln die Images, unsere Kleider, die Partner, unsere Jobs etc.. Was dabei verloren geht ist das Gefühl einer gerichteten und entfalteten Bewegung, stattdessen breitet sich die Wahrnehmung des immer schnelleren Strampels auf der Stelle aus. Das Ergebnis ist, dass Menschen sowohl ihre eigene, als auch kollektive Lebensführung nicht mehr als selbstbestimmt erfahren. Das Wort "müssen" ist dabei der beste Indikator, um die These von den immer härter werden Anpassungszwängen und der immer mehr verblassenden Gestaltungsmacht zu untermauern.



Die Angst der Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg
Nahezu jede Form der sozialen Anerkennung steht unter wachsendem zeitlichen Vorbehalt: Liebes- und Freundschaftsbeziehungen geraten unter Kontingenzverdacht und Leistungen müssen unaufhörlich erneuert und verbessert werden, wenn sie ihre Funktion der Sicherung der sozialen Wertschätzung nicht verlieren sollen. Vermeintlich auf Dauer gestellte Sicherheiten, an denen sich die Lebensplanung ausrichtete, stehen unvermutet wieder zur Disposition. Auch der vermeintliche Gewinner dieser Gesellschaft, der im A8 über die Autobahn fährt, kann sich nicht sicher sein, seine Position auch auf Dauer halten zu können.

Reinziehen, was geht
Kinder mit Konzentrationsschwäche werden mit Ritalin ruhig gestellt, Schüler und Studenten nehmen Medikamente, um die Prüfung zu bestehen und im Job wird ebenfalls mit Stresslöser und Muntermacher nachgeholfen, um leistungsfähiger zu sein. Ob Ephedrin, Amphetamin, Modafinil oder Ritalin - "Doping" scheint immer mehr zu Triebfeder der Leistungsgesellschaft zu werden. Warum greifen immer mehr Menschen zur künstlichen Leistungssteigerung, wohin führt der Trend und wo fängt Doping überhaupt an?



Ausgebrannt - Wenn der Job die Kräfte raubt
Arbeitsgesellschaft. Diesen Begriff verwenden Soziologen, um Länder wie Deutschland in einem Wort zu beschreiben. Es sind Länder, in denen Berufsbezeichnungen auf Grabsteinen und in Todesanzeigen stehen, und Menschen, die sich neu kennenlernen, als Erstes nach dem Beruf ihres Gegenübers fragen. Länder also, in denen Arbeit nicht nur Geld bringt, sondern vor allem Status, Ansehen, soziale Anerkennung. In denen Arbeit großes Glück verheißt - bevor sie mitunter ziemlich unglücklich macht. Arbeiten, bis der Arzt kommt! Der Burn-out wird zur Volkskrankheit. Woran liegt das? Eine Erkundung in der Arbeitswelt.

Burnout-Syndrom - Treffen kann es jeden
Viele Menschen kennen nichts anderes mehr, während andere, aus welchen Gründen auch immer, seit Jahren keinen Hammer mehr in der Hand hatten. Arbeitsstress, so warnen Forscher, führe geradewegs in einen unheilvollen Zustand, den man neudeutsch Burn-out nennt: das Totale-Innere-Verbrannt-Sein. Was kann man, was wird dagegen getan? Während lange Zeit vor allem Menschen in so genannten Helfer-Berufen wie Krankenschwestern, Therapeuten, Ärzte und Sozialarbeiter als gefährdet galten, beobachten Mediziner und Psychologen jetzt das "Burn-out-Syndrom" in allen Branchen, wie das Beispiel eines 35-jährigen leitenden Bankangestellten zeigt.



Die Burnout-Falle. Warum so viele Menschen ausgebrannt sind.
Wenn Erschöpfung zum Dauerzustand wird, kommt irgendwann der Zusammenbruch: Burnout. Eigentlich ist Stress eine gesunde Reaktion, bei der Körper und Hirn während einer Gefahr auf Höchstleistung schalten. Blutdruck, Durchblutung und Herzschlag steigen, die Muskelspannung erhöht sich, und die Verarbeitung der Sinnesinformationen wird intensiviert. Chronischer Stress wirkt jedoch auf das Gehirn wie ein schleichendes Gift. Der Daueralarm führt zu einer massiven körperlichen und psychischen Erschöpfung, von der sich der Organismus nicht mehr von selbst erholt.

Die Stress-Spirale
Stress, Hektik, innere Anspannung und das Gefühl eines Druckes, der bald zu viel ist. Wer kennt das nicht? Tag für Tag wird unser Wohlbefinden von Faktoren bestimmt, von denen wir viele nicht beeinflussen können. Starker Zeitdruck und die daraus resultierende Arbeitsverdichtung sind heute in fast allen Berufen zu finden. Wenn dann noch Faktoren wie mangelnde soziale Anerkennung, schlechte Bezahlung, mieses Betriebsklima, Über- oder Unterforderung hinzukommen, verursacht Arbeit Stress. Tierversuche haben sogar gezeigt, dass chronischer Stress die Funktionen von Genen im Gehirn verändert. Dabei können sich Nervenschaltkreise ändern.



Miriam Meckel: Burnout - wenn die Seele streikt
Immer erreichbar, immer flexibel, immer verfügbar sein - das sind die heutigen Bedingungen für den arbeitenden Menschen. Wir verplanen jede freie Minute, ob privat oder beruflich: wir optimieren uns immer weiter. Die Kehrseite davon ist eine rasant wachsende Zahl an Burnout-Patienten. Eine von ihnen ist Miriam Meckel. Sie litt an einem Burnout und hat nun in einem Buch analysiert was geschieht, wenn wir ständig unterwegs sind und permanent kommunizieren. Ihr Fazit:"Ich habe lernen müssen, dass die eigenen Bedürfnisse genauso viel wert sind wie die Bedürfnisse anderer."

Zwischen Burn-out und Hartz IV - Der neue Arbeitskampf
"Arbeitssammler, Jobnomaden, Berufsartisten" lautet der Titel des Buches von Peter Plöger. Im Interview spricht er über die neue Arbeitswelt und ihre Folgen: Aus Vollzeit wird Teilzeit, aus "lebenslänglich" wird "befristet" und aus Sicherheit wird "Flexibilität". Was oft genug bedeutet, dass die Arbeitnehmer flexibel, die Arbeitgeber hingegen schlicht unberechenbar sind - und niemals umgekehrt. Eine neue Art von Leibeigenschaft, die wohl nur deshalb möglich ist, weil die Alternative Arbeitslosigkeit lautet.



Immer mehr befristete Arbeitsplätze
Während es den arbeitslosen Landarbeiter einst in die Stadt trieb, wo er im Zeitalter der Industrialisierung zum Proletarier wurde und ihm der industrielle Fortschritt eine Vollzeitstelle bis zur Rente bot, so hangelt sich der "spätmoderne Arbeitsnomade" von Praktikum zu Praktikum oder von Job zu Job. Die Zahl fester, sicherer Arbeitsplätze wird immer geringer. Dafür aber steigt die Zahl der prekären, der befristeten Stellen. Inzwischen ist jede 10. Stelle in Deutschland nur noch befristet. Und das stößt bei immer mehr Psychologen auf Kritik, die eine wachsende Anzahl "Burn-out"-Patienten behandeln.

Fast Forward - Auf dem Weg in die Nonstop-Gesellschaft
Wer auf der Höhe der Zeit bleiben will, muss mit ihr Schritt halten. Informationen gehen in "Echtzeit" um die Welt. Nachrichten, Märkte, Angebote - alles gilt es zugleich im Auge zu behalten. Ob an der Börse oder bei Ebay: Der Zeitspielraum schrumpft auf den Augenblick, es geht um das perfekte Timing. Ein Auftraggeber will, dass das bestellte System sofort geliefert und in drei statt bisher zehn Tagen eingeführt wird. Firmenchefs müssen Rendite bringen, möglichst sofort und nicht in ferner Zukunft. So tickt das System, das uns gleichzeitig zu unserem Wohlstand verhilft.



Kultur der Entschleunigung - Gesellschaft der Beschleunigung
Heute versuchen moderne Menschen Zeit zu sparen. In Wahrheit werden die Menschen um ihre Zeit betrogen - während sie versuchen Zeit für später zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben. Denn Zeit kann man nicht sparen, wie z. B. Geld. Je mehr man versucht, Zeit zu sparen, desto kürzer werden die Tage und Wochen. Unsere heutige Kultur, in der das ganze Leben dem Streben nach Nützlichkeit und Wachstum untergeordnet ist, dem Streben nach abstraktem zukünftigen Gewinn, ist eng mit dem heutigen Zeitbegriff verbunden.

Der beschleunigte Blick nach vorn
Die Beobachtung, dass sich in kapitalistischen Gesellschaftsformen eine bedrohliche Veränderung vollzieht, wurde schon von Marx erkannt, in dem er schreibt:"Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht." Dass diese Entweihung und Verdampfung kein Prozess von vorindustrieller Dauer war, sondern noch immer ist und mit verstärkter Kraft in der Moderne wütet, soll an der Beschleunigungstheorie von Hartmut Rosa offen gelegt werden. Das Verlangen, alles in Bewegung zu versetzen, das materielle, das soziale und das geistige Universum, ist ein Grundmotiv der Moderne; es beherrscht uns in nahezu allen Lebensäusserungen.



Karierrestress schon bei den Kleinen
Ein voller Terminkalender: Vorschule, Tennis, Schwimmen, Englischkurs - ist das nicht zu viel für einen Fünfjährigen, der sogar in den Ferien Kurse besucht? Dieser Beitrag porträtiert Familien, die ihre Kinder schon lange vor dem Eintritt in die Schule fördern und fordern. Bilinguale Kindergärten, Musikschule, Geige lernen, Malkurs, Tennis, Schwimmen - für Arthur und Philipp (6), Tim (5), und Stella (3) gehört das dazu. Der Beitrag gibt einen Einblick in den Alltag der Familien auf dem schmalen Grat zwischen Förderung und Überforderung.

Burnout - Arbeiten bis zum Umfallen
Die Leistungsgesellschaft und die ökonomische Krise erzeugen einen immensen Druck auf die Arbeitnehmer. Die müssen auf der einen Seite flexibel, engagiert, motiviert sein, um Höchstleistungen erbringen zu können, auf der anderen Seite müssen sie sich oft mit prekären Arbeitsverhältnissen und Lohnpolitiken abfinden. Kaum verwunderlich, dass Angst- und Depressionserkrankungen zunehmen, dass immer mehr Ratgeber den Buchmarkt erobern, die angeblich zeigen, wie man mit dem Druck zurecht kommt. Der Arbeitssoziologe Professor G. Günter Voß zeigt politische und ökonomische Ursachen dieses gefährlichen Trends auf.


Beschleunigung versus Verlangsamung
Die moderne Gesellschaft ist durch eine kontinuierliche Veränderung ihrer Zeitstrukturen gekennzeichnet. Das Hauptmerkmal dieser Veränderung ist die Beschleunigung von Prozessen und Veränderungsraten und die Verkürzung der Zeithorizonte. Dabei geht es um das Phänomen, dass wir heute einerseits in vielen Bereichen durch effiziente Vorgänge und neue Technologien Zeit sparen. Trotzdem haben wir das Gefühl, dass unsere freie Zeit schwindet. Die Folge ist eine, in der Geschichte der Menschheit noch nie dagewesene, unerhörte Erhöhung unseres Lebenstempos.

Entfremdung im Zeitalter der Eilkrankheit
Wer sich Welt und Leben aneignen will, muss sich Zeit lassen, muss sich Dinge anverwandeln. Wir eignen uns die Dinge aber nicht mehr an, wir kaufen sie. Tatsächlich verwechseln wir kollektiv und individuell längst kaufen mit konsumieren. Wann haben wir denn ein Produkt konsumiert? Doch nicht durch den Kauf. Ein Buch haben wir konsumiert, wenn wir es gelesen, eine DVD, wenn wir sie gesehen, und eine CD, wenn wir sie gehört haben und Kleidungsstücke oder Schuhe, wenn wir sie getragen haben. In diesem Sinne aber sinken unsere Konsumraten ständig ab: Wir konsumieren immer weniger, wir kaufen immer mehr.


Vom Umgang mit der Zeit
In der Hitliste des Alltagsstresses steht der berufliche Bereich an erster Stelle, gefolgt von Straßenverkehr, Lärm, Einkaufen, Partnerschaft. Nicht umsonst wird Stress als Seuche des 20.Jahrhunderts bezeichnet, leidet doch jeder Deutsche mindestens einmal wöchent­lich unter Stressfaktoren. Man kann sich einen durch Arbeit verursachten psychischen Kollaps wie einen Infarkt vorstellen. Nur dass es nicht das Herz ist, das das geforderte Tempo nicht mehr hält, sondern die Seele. Wie die Herzleiden haben sich die psychischen Gebrechen zu modernen Volkskrankheiten entwickelt. Der Burn-out wird zur Volkskrankheit. Woran liegt das? Eine Erkundung in der Arbeitswelt.

Vom Nutzen des Nichtstuns
Urlaubszeit, Ferienzeit - Zeit zum Abschalten. Den ganzen Arbeitskram hinter sich lassen und die Seele baumeln lassen. Oder im Gegenteil, den Körper nach all der Büroarbeit auf Trab zu bringen mit Trekking im Himalaya oder mit dem Wohnmobil einmal durch die USA.  Die moderne Gesellschaft wolle keine Zeit verschwenden, meint der Zeitforscher Hartmut Rosa. Was geht ohne Muße verloren? Wirkliche Kreativität entsteht nur dort, wo es auch einen Überschuss an Zeit gibt, wo es zweckfreie Räume gibt. Außerdem verschwinden Regenerationsmöglichkeiten. Menschen schwer fällt es schwer, abzuschalten oder runterzukommen.



Ausstieg aus dem Hamsterrad
Viele haben oft keine Zeit und hetzen von einem Termin zum anderen. Andere vergessen die Zeit, kommen zu spät, gelten als unzuverlässig. E-Mails, Smartphones und das Internet führen dann entweder zu noch mehr Chaos oder einem Leben im Standby-Modus: allzeit bereit, immer erreichbar, aber auch gestresst, ohne Zeit zum Abschalten und Auftanken. Spätestens dann ist es Zeit, sein Leben zu entschleunigen. Ein gutes Zeitmanagement kann helfen und es kann in Kursen und Seminaren erlernt werden. Doch das Sortieren von Terminen in wichtig und unwichtig stößt auch an Grenzen. Zum Entschleunigen gehört mehr als ein paar Tage Auszeit, zum Beispiel die Fähigkeit, "nein" sagen zu können.

Fördert Wachstum die Lebensqualität und das Glück der Bürger?
"Geld allein macht nicht glücklich" - sagt der Volksmund. Der Niedergang der Familie als gesicherte Institution, in Ehen zusammenzuleben im Guten wie im Bösen, parallel zum Niedergang der traditionellen Arbeitnehmerrolle, in gesicherten Bahnen von der Lehre bis zur Rente zu arbeiten, führte auf Seiten der Wirtschaft zu einem neuen Wachstums- und Beschleunigungsschub, aber auf Seiten der Individuen hat der Leidensdruck durch Entwurzelung und Zerrissenheit und dem Verlust des Sicherheitsgefühls dramatisch zugenommen, wie die hohen Depressions- und Burn-out-Raten belegen. Ohne Wachstum ist vieles schwierig, aber Wachstum um jeden Preis führt auch in die Irre.



Wenn der Alltag zum Sprint wird
Die Zeit scheint immer schneller zu vergehen. Moderne Technologien helfen zwar Zeit zu sparen, beschleunigen aber zugleich manche Lebensvorgänge. Viele Menschen fühlen sich gehetzt und dauernd unter Druck. Jederzeit und überall gilt das Prinzip «höher, weiter, schneller». Derzeit arbeiten wir systematisch daran, die letzten Zeitinseln (Entschleunigungsoasen) verschwinden zu lassen. Es scheint geradezu paradox, ja sogar pervers, dass sich mittelalterliche Kulturen 'freie Tage' erlaubten, während ausgerechnet unsere superreiche Gesellschaft keinen freien Tag mehr kennt. Auch die Sonntage werden zunehmend von Logik des Kaufens und Produzierens bestimmt.

Wenn die Jahre rasen
Die einen sind auf der Suche nach der verlorenen Zeit und möchten noch mal 20 sein. Für viele Kinder hingegen fühlt sich die Zeit wie ein unendliches Meer an; während Berufstätige in der "Rush hour of life" über die viel zu kleinen Zeitfenster klagen, in die immer mehr Arbeit und Freizeitaktivitäten hineingestopft werden. In der globalisierten Gesellschaft mit ihren beschleunigten Zeittakten und Kommunikationsmöglichkeiten haben viele das Gefühl, dass die Zeit rast. Rentner und Arbeitslose haben wiederum eine eigene "Zeitrechnung", entwickeln im Alltag neue Zeitrhythmen und Rituale, bewegen sich zwischen Langeweile und Un-Ruhestand. Was also bestimmt unser Zeitempfinden? Wie beeinflusst unser heutiges Arbeits- und Lebenstempo unsere Zeitwahrnehmung? Und wie verändert sich unser Zeitgefühl, wenn wir Jahre später zurückblicken?



Ein Leben kann nur gelingen, wenn der Mensch ausreichend Zeit findet.
Man kann alle Bücher, die es in der Welt gibt, downloaden, fast umsonst alle Filme angucken usw. Aber das Einzige, was sich nicht steigern lässt, ist die Zeit. Wir haben trotzdem nur 24 Stunden! Das Erstaunliche: Vor noch gar nicht so langer Zeit sei dieses moderne, schnelle Leben als Gewinn an Freiheit, Lebensqualität und Glück erfahren worden. Diese Freiheitsspielräume werden irgendwann wieder erodiert werden durch die Beschleunigungszwänge und deshalb trägt die Beschleunigungslogik nicht mehr zu einer Steigerung von Lebensqualität bei, sondern zu deren Unterminierung.  Das sind Thesen von Prof. Hartmut Rosa (Schiller Universität Jena), der sich mit zwei Kollegen aufgemacht hat dieses Problem zu lösen.

Ständig unter Druck - Zeitphänomen Burn-out
Zeitdruck am Arbeitsplatz, mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte oder Kollegen, Dauerstress - das sind Begleiterscheinungen der heutigen Arbeitswelt, die viele kennen: Ob Fußballtrainer, Informatiker, Lehrer oder Pflegepersonal, immer mehr Menschen stoßen an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Burn-out lautet die verbreitete Diagnose eines Erschöpfungszustandes, hinter dem sich nicht selten eine Depression verbirgt. Wie gelingt die Unterscheidung? Wann wird Stress zur Krankheit und wie kann man dem vorbeugen? Hatten frühere Generationen weniger Stress und wer ist heute Burn-out-gefährdet? Was können Betriebe tun, wie können Mediziner oder Therapeuten helfen? Genügt eine Pause, eine längere Auszeit, um wieder aufzutanken oder ist ein innerer und äußerer Richtungswechsel angebracht?



Stoffwechsel am Limit - Wie Stress krank macht
Diabetes, Depressionen, Herzinfarkt, Migräne, Rheuma, Akne, Allergien, Alkoholismus und Reizdarm - die Liste der stressbedingten Erkrankungen ließe sich noch eine Weile fortführen. Studien der Krankenkassen haben ergeben, dass kein anderer Faktor so viele Krankschreibungen hervorruft wie ausgerechnet Stress. Den Grund sehen Forscher der Universität Düsseldorf in einer zunehmenden Arbeitsintensivierung. 30 Prozent aller Arbeitnehmer geben an, dass sie in den letzten Jahren immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit verrichten müssen. Dabei ist der Stress am Arbeitsplatz genauso krankmachend wie etwa das Rauchen. Wie Stress zu körperlichen Symptomen führt, haben Forscher von der Universität Trier gründlich untersucht und außerdem ein System entwickelt, das genau untersucht, welches biochemische System im Körper durch den Stress aus dem Gleichgewicht gekommen ist.

Die Depression als Mega-Entfremdung
Unser rasender Alltag führt zu Entfremdungserscheinungen, weil die Zeit für Anverwandlungsprozesse fehlt, so die These des Soziologen Hartmut Rosa. Zeit ist knapp und alles muss schnell gehen. Dabei werden uns die Dinge fremd, die Menschen, mit denen wir uns umgeben bedeuten uns nichts mehr, die Arbeit verliert ihren Sinn und auch im Sportverein fühlen wir uns irgendwie daneben, jedenfalls nicht heimisch. Eine richtige Entfremdungskrise tritt dort ein, wo wir uns von unserem Leben als Ganzes entfremden, wo wir einen entfremdeten Bezug zu unserer Biografie haben und uns darüber wundern, wer wir sind und wie wir das geworden sind. Die Depression kann man dabei als eine Art Mega-Entfremdung begreifen, in der es uns gar nicht mehr gelingt, uns in irgendeinem Kontext der Welt zuhause zu fühlen oder lebendig zu werden. Für den Depressiven werden alle Kontexte, alle Handlungsbereiche fremd und äußerlich.